Kandidatenbefragung zur Gemeinderatswahl in Herrsching 2020

Unser Vere­in Lebenswertes Bre­it­brunn e.V. hat sich zur Auf­gabe geset­zt, ein wenig mehr Durch­blick zu den poli­tis­chen Zie­len der Kan­di­dat­en für die Gemein­der­atswahl in Herrsching 2020 zu schaf­fen.

Dafür haben wir prak­tisch allen Kan­di­dat­en einige Fra­gen zukom­men lassen, darunter auch solche, mit denen wir spezielle Bre­it­brun­ner The­men beleucht­en wollen.

Nach­fol­gend find­en Sie unsere Fra­gen und die Antworten der Gemein­der­atskan­di­dat­en hierzu. Soll­ten Sie Antworten einiger Gemein­der­atskan­di­dat­en ver­mis­sen, haben wir diese (noch) nicht erhal­ten oder der Kan­di­dat­en möchte uns an seinen poli­tis­chen Überzeu­gun­gen oder Zie­len nicht teil­haben lassen – was ja auch eine Aus­sage ist.

Wir aktu­al­isieren diese Seite regelmäßig.


Übri­gens: Durch Anklick­en des in Blau geset­zten Namens des Kan­di­dat­en über jed­er Antwort kön­nen Sie Ihre Antwort bzw. Kom­men­tar zu der Stel­lung­nahme abgeben.

Frage 1: Attraktives Leben im Gemeindegebiet
Zu den heute unab­d­ing­baren „Funk­tio­nen“, die das Leben auch außer­halb von Metropolen attrak­tiv macht, zählt eine mod­erne Infra­struk­tur. Beispiel­haft genan­nt seien hier eine leis­tungs­fähige Ver­sorgung mit Inter­net (tech­nisch möglich sind heute 250 MBit/s und mehr), sichere Rad­wegverbindun­gen und die Unter­stützung nach­haltiger Mobil­ität­slö­sun­gen z.B. Car-Shar­ing-Ange­bote, mehr Ladesta­tio­nen für Elek­tro­fahrzeuge. Die Verkehrssicher­heit für Fußgänger ist uns wichtig. Ein Badesteg für Schwim­mer in Bre­it­brunn.

Welche Maß­nah­men befür­worten Sie, wofür möcht­en Sie sich konkret ein­set­zen?
Christine Hollacher

Bürg­er­meis­terkan­di­datin, FREIE WÄHLER Starn­berg


Gerne würde ich mich ein­set­zen für eine leis­tungs­fähige Inter­ne­tan­bindung via Glas­faser­leitun­gen, da ich große gesund­heitliche Bedenken gegen eine Verdich­tung der Funkstrahlen habe, die zu ein­er 5G – Ver­sorgung erforder­lich wäre. Ich set­ze mich ein für eine schnelle Real­isierung des all­t­agstauglichen Rad­weges von Bre­it­brunn nach Herrsching ein, eben­so wie für ein kosten­los­es ÖPNV – Ange­bot. Ladesta­tio­nen für PKW müssen an öffentlichen Gebäu­den auch in Bre­it­brunn entste­hen – allerd­ings nur dann, wenn der Strom auch vor Ort nach­haltig erzeugt wird.
Auch für einen bar­ri­ere­freien Zugang zum Ammersee werde ich mich ein­set­zen

Werner Odemer

Gemein­der­at, Beauf­tragter für Straßen und Verkehr, Vor­sitzen­der SPD Herrsching


  • Mit Unter­stützung der gesamten SPD-Frak­­tion im Gemein­der­at wurde beschlossen, dass die Gemeinde in Eigen­regie einen Fuß-/Rad­weg vom Winkel­weg zum Sport­platz baut mit Querungsin­sel über die Staat­straße.
  • Der Rad­weg von Bre­it­brunn nach Herrsching wird vom Staatlichen Bauamt in Weil­heim geplant. Per­ma­nen­ter Druck durch Bürg­er und Gemein­der­at ist erforder­lich.
  • Ich set­ze mich ein für einen Fußgängerüber­weg an der Bushal­testelle „Obst­garten“ eben­so wie für ein Warte­häuschen und einen Radl­stän­der an dieser Hal­testelle.
  • Der Gemein­der­at sollte sich weit­er für Tem­po 30 im gesamten Orts­bere­ich inkl. der Staatsstraße ein­set­zen. Auch wenn das derzeit nicht real­isier­bar ist, die Zeit arbeit­et für uns.
  • Die Ver­wal­tung muss sich mehr für die überörtliche Verkehrs­gestal­tung engagieren, z.B. mehr Verkehrslenkung, ins­bes. LKW über die Umfahrung von Weßling, die keine Orte berührt.
  • Als Elek­tro-Auto-Fahrer unter­stütze ich alle Maß­nah­men zu mehr Ladesta­tio­nen – obwohl ich selb­st fast auss­chließlich an mein­er eige­nen Foto­voltaikan­lage „tanke“. Ich denke, hier wird sich einiges tun, z.B. Auto­haus Wag­n­er als VW-Part­n­er, die in Deutsch­land die E‑Mobilität am entsch­ieden­sten vortreiben.
Frage 2: Siedlungsdruck & Neubauprojekte
Im Gemein­dege­bi­et von Herrsching wur­den und wer­den diverse größere Bau­vorhaben real­isiert, beispiel­haft sei das Pro­jekt „LAGOM“ in der Rieder Straße in Herrsching erwäh­nt.
Ursprünglich als Ein­heimis­chen­mod­ell konzip­iert wurde jet­zt ein für Nor­malver­di­ener uner­schwinglich­er Wohn­raum geschaf­fen. Weit­ere Pro­jek­te dieser Art braucht Herrsching nicht.

Wofür ste­hen Sie im Gemein­der­at bei der Abwä­gung von „Erhalt der die Gemeinde prä­gen­den Frei­flächen und Natur“ ver­sus „Sied­lungs­druck und speku­la­tives Bauen“?
Alexander Keim

Bürg­er­meis­terkan­di­dat & stel­lv. Ortsver­bandsvor­sitzen­der FDP Herrsching


  • Ich respek­tiere natür­liche Wach­s­tums­gren­zen
  • Flächen­nutzungspläne aller Gemein­de­teile bedür­fen ein­er Über­ar­beitung
  • (Nach-)Verdichtung vor Neubau
  • Lib­er­al­isierung des Bau­rechts, v.a. für Bestand­sim­mo­bilien
  • Natur­flächen acht­en, bess­er pfle­gen, erleb­bar machen, auch das Ostufer mit den Kies­flächen
Christine Hollacher

Bürg­er­meis­terkan­di­datin, FREIE WÄHLER Starn­berg


Schon in mein­er ver­gan­genen Amtspe­ri­ode als Erste Bürg­er­meis­terin von Herrsching und Bre­it­brunn habe ich mich dafür einge­set­zt, möglichst keine neuen Bauland­flächen auszuweisen und wenn doch, nur unter Berück­sich­ti­gung des Gemein­wohls. Deshalb bin ich auch gegen den Neubau des Gym­na­si­ums am geplanten Stan­dort und für die Nutzung der frei­w­er­den­den Finanzhochschule. Die Speku­la­tion mit unser­er Heimat muss einge­gren­zt wer­den!

Werner Odemer

Gemein­der­at, Beauf­tragter für Straßen und Verkehr, Vor­sitzen­der SPD Herrsching


  • Wie sie richtig bemerken, wird in Herrsching derzeit einiges gebaut. Der Erhalt von Natur hat für mich in Zukun­ft ein­deutig Pri­or­ität. Durch Auss­chöp­fung der beste­hen­den Baumöglichkeit­en entste­ht eh noch genug zusät­zlich­er Wohn­raum.
  • Das Ein­heimis­chen-Mod­­ell für bezahlbare Miet­woh­nun­gen neben der Kirche unter­stütze ich sehr.
  • Keine Umwand­lung von Natur in Bauge­bi­et.
Frage 3: Flächenumwandlung und Bebauungsplan Klosterwiese
Ein die Bre­it­brun­ner sehr bewe­gen­des und emo­tion­al aufge­ladenes The­ma ist die Beschlus­slage zur Umwand­lung der Bre­it­brun­ner „Kloster­wiese“ in ein riesiges Neubaupro­jekt.
Es gibt zunehmend kri­tis­che Stim­men gegen die Bebau­ung. Viele wollen dieses ein­ma­lige Natur­erleb­nis in Bre­it­brunn mit der Verbindung zum See und zu den Alpen nicht ver­lieren.
Alter­na­tivvorschläge gibt es und wur­den von den Bürg­ern begrüßt, aber wur­den bis­lang von den Ver­ant­wortlichen ignori­ert.

Wie ist Ihre Hal­tung zu der geplanten Bebau­ung der Bre­it­brun­ner „Kloster­wiese“?
Alexander Keim

Bürg­er­meis­terkan­di­dat & stel­lv. Ortsver­bandsvor­sitzen­der FDP Herrsching


  • Wir respek­tieren das Eigen­tum der St. Josef­skon­gre­gra­tion
  • Wir sehen Bre­it­brunn nicht isoliert, son­dern als fes­ten Bestandteil des Sied­lungs­ge­bi­etes Herrsching und da müssen wir eine Fläche wie die Kloster­wiese dif­feren­ziert betra­cht­en. Das Gemein­wohl sollte im Vorder­grund ste­hen. 
  • Die Trans­parenz im Prozess, die Rolle die das Ein­heimis­chen­mod­ell gespielt hat und die „Bevorzung“ sehen wir kri­tisch und möcht­en Sie zum Dia­log ein­laden die gemacht­en Erfahrun­gen mit uns zu teilen, um hier­aus zu ler­nen
Christine Hollacher

Bürg­er­meis­terkan­di­datin, FREIE WÄHLER Starn­berg


Da ich dem Gemein­der­at in den let­zten 6 Jahren nicht ange­hört habe, habe ich auf die konkrete Pla­nung lei­der keinen Ein­fluss nehmen kön­nen.
Ich teile die Ein­schätzung von Bürg­er­meis­ter, Gemein­der­at und Bau­ver­wal­tung hin­sichtlich des mit­tel­fristi­gen Bedar­fes an Wohn­raum nicht, weil ich weit­eren Zuzug nicht unter­stützen möchte und mehr als 50 qm Wohnfläche/Person nicht geeignet sind, den Flächen­ver­brauch pos­i­tiv in den Griff zu bekom­men. Mir fehlt in der Pla­nung ein zukun­fts­fähiges Konzept zur Energiev­er­sorgung mit erneuer­baren Energi­eträgern eben­so wie ein Verkehrskonzept, das geeignet wäre, das Ziel, eine umwelt­fre­undlichere Mobil­ität, wie sie der Gemein­der­at schon bis 2020 beschlossen hat­te, zu erre­ichen.
Lei­der wurde auch nicht an eine Kindertagesstätte, die den (auch durch dieses Bauge­bi­et) steigen­den Bedarf wohnort­nah für den südlichen Teil Bre­it­brunns abdeck­en kön­nte.

Ein Pla­nen­twurf, der sämtliche Chan­cen auf ein­er der let­zten großen Flächen Bre­it­brunns ver­spielt – Schade!

Werner Odemer

Gemein­der­at, Beauf­tragter für Straßen und Verkehr, Vor­sitzen­der SPD Herrsching


  • Das The­ma Kloster­wiese ist für mich erledigt. Der Bebau­ungs­plan ist fer­tiggestellt, die Ein­wände wer­den bear­beit­et. Bald wird dieses Gebi­et bebaut sein.
  • Ich warne vor „Alter­na­tivvorschlä­gen“. Hier wird nur das Fass aufgemacht für zusät­zliche, naturz­er­störende Bebau­ung ohne dass sich an der Kloster­wiese irgen­det­was ändert.
Frage 4: Transparente Politik und nachvollziehbare Entscheidungen, echte Bürgerbeteiligung
Im Zusam­men­hang mit dem Bebau­ungs­plan Kloster­wiese gibt es viele Kri­tikpunk­te:
  • der bis heute nicht veröf­fentlichte städte­bauliche „Geheimver­trag“ zwis­chen dem Kloster Urs­berg und der Gemeinde
  • das ein­seit­ige Red­erecht von Vertretern des Klosters vor dem Bauauss­chuss, Bee­in­flus­sung der Abstim­mung
  • die sich abze­ich­nende Bevorzu­gung dem Kloster nah­este­hen­der Per­so­n­en bei dem Verkauf von „vergün­stigtem“ Bauland
  • die wohl unzure­ichende Infor­ma­tion von Gemein­der­atsmit­gliedern vor den entschei­den­den Abstim­mungen zur Änderung des Flächen­nutzungs­plans
  • das als ein­seit­ig emp­fun­dene „Anschieben“ der Bebau­ungswün­sche der einzel­nen Prof­i­teure durch das Rathaus
sor­gen für Gesprächsstoff und Fas­sungslosigkeit bei vie­len Bre­it­brun­nern und Vere­ins­mit­gliedern.

Gle­ichzeit­ig zeich­net sich ab, dass entschei­dende Fak­toren, z.B. steuer­liche Aspek­te für die Erwer­ber eines „Ein­heimis­chen­mod­ells“, juris­tis­che Risiken für Bauher­ren, Erschließungskosten für Anwohn­er im Umkreis nicht the­ma­tisiert wer­den.

Immer wieder bekla­gen Bürg­er ein zu geringes Mit­spracherecht auch bei kleineren Pro­jek­ten. Um sich Gehör zu ver­schaf­fen wäre z.B. eine Bürg­er­sprech­stunde bei Gemein­deräten hil­fre­ich.

Wie wür­den Sie zukün­ftig zu ein­er verbesserten Trans­parenz der Entschei­dun­gen von Gemein­der­at und Rathaus beitra­gen?
Wie wür­den Sie Bürg­er unter­stützen, die Alter­na­tiv­en zur Bebau­ung der „Kloster­wiese“ im Gemein­der­at disku­tiert sehen möcht­en oder sich bei anderen Anliegen an die Gemeinde wen­den wollen?
Alexander Keim

Bürg­er­meis­terkan­di­dat & stel­lv. Ortsver­bandsvor­sitzen­der FDP Herrsching


  • Ich habe für meinen Wahlkampf die Herrschinger und Bre­it­brun­ner Gespräche ins Leben gerufen. Hier nehme ich mir ein­mal die Woche die Zeit, mit allen Herrschingern in den Dia­log zu treten. Zudem sind wir sehr aktiv bei Face­book und ver­suchen tage­sak­tuell zu informieren https://www.facebook.com/FDPHerrsching/. Ich strebe eine Über­tra­gung der öffentlichen Gemein­der­atssitzun­gen und ein trans­par­enteres Infor­ma­tion­s­man­age­ment an. Es kann nicht sein, dass Pro­tokolle oder Beschlüsse nicht auffind­bar oder wie das Pro­tokoll vom 13.1.2020 nach fast 2 Monat­en immer noch nicht auf herrsching.de zu find­en sind. 
  • Wie wür­den Sie Bürg­er unter­stützen, die Alter­na­tiv­en zur Bebau­ung der „Kloster­wiese“ im Gemein­der­at disku­tiert sehen möcht­en oder sich bei anderen Anliegen an die Gemeinde wen­den wollen?
    Ich habe mir einige Muster­beispiele in anderen Gemein­den angeschaut und bin auf MyP­in­ion gestoßen. https://www.mypinion-reitimwinkl.de/
    Auch wenn diese dig­i­tal­en Tools gewöh­­nungs- und erk­lärungs­bedürftig sind, möchte ich diese informellen Ver­fahren nutzen, um JEDEM Herrschinger, die Möglichkeit zu geben bequem und wo es sein muss anonym mit dem Rathaus und dem Gemein­der­at in Kon­takt zu treten. Durch die Trans­parenz über die Anzahl der Inter­essen­ten an einem The­ma sollte auch Mut gefördert wer­den, sich konkret zu äußern. Umgekehrt sehe ich ein Verpflich­tung die Kom­mu­nika­tion Rich­tung Bürg­er proak­tiv zu gestal­ten.
Christine Hollacher

Bürg­er­meis­terkan­di­datin, FREIE WÄHLER Starn­berg


Ich würde eine Pla­nungswerk­statt mit Mod­er­a­tion durch Fach­plan­er für alle Ort­steile ver­anstal­ten, zu der alle Bürger*innen der Gemein­der­at und die Ver­wal­tung ein­ge­laden sind und in denen die Bedürfnisse abge­fragt und gemein­sam Lösungsan­sätze für die Wahlpe­ri­ode entwick­elt wer­den kön­nen. Nach 3 Jahren (Hal­bzeit) sollte eine Evaluierung erfol­gen.
Eine solche „Werk­statt“ hat 2002 im Ort­steil Herrsching die Pla­nungs­grund­lage für die Ort­sen­twick­lung der fol­gen­den Jahre geschaf­fen – sie sollte drin­gend über­prüft und angepasst wer­den.
Konkrete Bebau­ungspläne, die sich in Bear­beitung find­en, müssen auf der home­page der Gemeinde mit den Bear­beitungsstän­den ein­se­hbar sein – auch außer­halb der Fris­ten der förm­lichen Bürg­er­beteili­gung.

Werner Odemer

Gemein­der­at, Beauf­tragter für Straßen und Verkehr, Vor­sitzen­der SPD Herrsching


  • Das „Kloster“ ist ein pri­vater Bauherr und auch so zu behan­deln. Verträge mit Pri­vat­per­so­n­en sind immer „Geheimverträge“. Soviel Daten­schutz muss sein.
  • Die Trans­parenz der Entschei­dun­gen von Gemein­der­at und Rathaus ist in der Tat unzure­ichend. Rechtzeit­ige Infor­ma­tio­nen der Bürg­er vor der Auf­nahme von Pla­nun­gen ist erforder­lich. Nur so kann der Bürg­er sich mit seinen guten Ideen in die Gestal­tung des Ortes ein­brin­gen. Zu größeren Vorhaben, z.B. Bebau­un­gen, Verkehr, Orts­gestal­tung, etc. sollen Bürg­er­work­shops ver­anstal­tet wer­den. Die besten Ideen kom­men von den Bürg­ern selb­st und entste­hen nicht am Schreibtisch!